Anselm König Band

Überleben (mit Max Mutzke)

Aquarell der niederländischen Meisterin Mareijke Cremers

Das Aquarell der niederländischen Meisterin Mareijke Cremers versinnbildlicht das Grundthema der CD "Überleben" und wurde von ihr exklusiv für diese Popproduktion gemalt.

Hörbeispiele:

Genesis
Überleben. Leadvocals Max Mutzke
Dicke Freunde
Geldgigant
Was wir wollen
Pfadfinder
r.ü.l.p.s.
Titanic
Zufallsliebe

Überleben - aktuell:

Auch wenn wir in unseren Industrienationen derzeit ein Quasi-Nullzins-Niveau haben, so hat sich an der Rentabilitäts-Mentalität der superreichen Personen und Konzerne nichts geändert: Aufsichtsräte der Aktionäre fordern rücksichtslos 6% Rendite = Wachstum oder Personalabbau bei gleichbleibender Produktion. Ebenso wurde der Renditesog der Kapitalanlagen einfach exportiert, analog zu den Stellvertreter-Kriegen. So kostet in Uganda ein Bankkredit beispielsweise 32% Zins!

Es gibt perfide Dummheiten: Der Friedensnobelpreis ist an sich eine gute Sache, wenn er nicht aus den Aktien- und Zins-Gewinnen lebensfeindlicher Produktionen finanziert würde: Atomkonzerne, die in Indien investieren und dort hohe Renditen ihren Großanlegern weiterreichen, Militär- und Kriegs-Produktions(!)-Aktiengewinne und natürlich Zinsen aus den Ländern, die das Volk ausbluten für die Schuldenfinanzierung ihrer Militärausgaben usw. zählen zu den wichtigsten Einnahmequellen der Nobelstiftung. Schade auch, dass Nobels nicht mal wissen, ob da und dort eine Windkraft-Aktie dabei ist in ihrem fremdbestimmten Rendite-Mix... Zum Glück weiß kein Preisträger, wo das Geld herkommt, wieviel Blut womöglich an den Nobelpreisen klebt. Die sinnvollste Nobelpreis-Vergabe wäre die Ausgabe des Nobel-Vermögens, bis es vollständig aufgebraucht und an die PreisträgerInnen verteilt wäre. (= Schenkungsgeld) Denn das Investmentgeschäft mit dem Nobel-Vermögen gießt beständig Benzin ins Feuer der Umweltzerstörung und Kriegsgeschäfte.

Oder um ein anderes prominentes Anlagebeispiel zu nennen: Der berühmte Microsoft-Gründer Bill Gates gründete mit einem Bruchteil seines Vermögens eine Stiftung für aidskranke afrikanische Kinder. Diese an sich lobenswerte Tat hat einen perfiden Haken: Nur mit den Renditen der Stiftung, also dem Geldgewinn, den das Stiftungsvermögen "erwirtschaftet", werden Krankenhäuser und medizinische Hilfen gesponsert. Die Stiftungsrendite aber wird am allgemeinen Kapitalmarkt erzielt, also mit Aktien bei Killer-Produktionen wie Rüstungsgüter, Atomkraftwerken, Genmais-Pestizide der Chemiefirmen etc. und an den Dievisenmärkten oder wie erwähnt durch völlig überzogene Bankzinsen in eben den Schwellenländern, die so immer ärmer und ausgeblutet werden. Das ist ein Vorgehen ähnlich der Wasserpolitik Nestlés: Trinkwasserbrunnen zerstören und der dürstenden Bevölkerung großzügig Trinkwasser in Nestlé-"Qualität" "preiswert" verkaufen.

Die Liedtexte der Überleben-CD haben also leider an Aktualität nichts eingebüßt, im Gegenteil: Die "Geldgiganten" und ihre Banken wüten brutaler und lebensfeindlicher als je zuvor via digitaler Wirtschafts-Globalisierung und Freihandelsabkommen...

Es wird Zeit für den natürlichen Umgang mit Geld und Vermögen beispielsweise so, wie es die GLS-Gemeinschaftsbank mustergültig praktiziert... Diese Zeit ist reif für eine "Natürliche Wirtschaftsordnung" im Sinne Silvio Gesells "Freigeld-Freiland"-Vision und Rudolf Steiners "alterndem Geld" und der "Sozialen Dreigliederung".
Anselm König

"S.O.S. - wir versinken im eiskalten Meer der exponentiellen schnellen Überproduktion!"

Silvio Gesell entdeckte um 1890 grundlegende Systemfehler in der Geld- und Bodenordnung, die Zinseszins- und Spekulationsgewinne in extrem lebensfeindlichem Ausmaß ermöglichen. Er erfand das zinslose "Freigeld" und die "Freiland"-Bodenpacht als Grundlagen für eine "Natürliche Wirtschaftsordnung".

Diese von Albert Einstein hochgelobte Wirtschaftsreform Gesells wird seit über einhundert Jahren von Kapitalmächten mittels Weltbanken und staatlichen Hoheitsrechten erfolgreich unterdrückt — Genozide und neuerdings Ökozide sind der Preis für dreizehnstellige (!) Dollar-Gewinne.

Weil es im begrenzten Raum kein unbegrenztes Wachstum geben kann, so werden selbst Milliardäre nach systemischen Lösungen suchen müssen, wenn sie überleben wollen: Der globale Ökogau kennt keine sozialen Schranken …

Ich wünsche jener weltregierenden Geldmacht vor allem eine Tugend, ohne die ein Bewusstseinswandel nicht gelingen wird: Mitgefühl.

Die Songtexte des Überleben-Albums demontieren so ziemlich alle "Werte", die dem großen Geldspiel, dem Life-Monopoly angedichtet wurden. Die Ouvertüre "Weitergehn" spricht vom Schicksal, das Finale von Bestimmung: "Percival’s Trail" (gesungen von Max Mutzke) ist die Hommage an jenes Mitgefühl, das letztlich den Stein der Weisen, den Heiligen Gral finden lässt. Parzivals Mitgefühl erlöst den irdischen König vom Leid, in das er sich unwissend verstrickte.

Ich wünsche unseren Hörern viel Spaß und Zuversicht beim Weitergehn!